Es war ein voller Monat voller Abschlüsse und Vorbereitungen auf 2022. Auch erleben wir einen Übergang vom Lockdown mit oder ohne Online-Angebote zur Präsenz-Zeit. Kann man die beiden Verbinden? Und gleich steht die nächste Veranstaltung steht bevor. Montag fahre ich zum Clowncamp.
In diesem Monat sind einige längere Veranstaltungen zu Ende gegangen: Die Jahresgruppe 1, die im Dezember anfing und hauptsächlich online gelaufen ist. Erst die beiden letzten Abschnitte waren "in Präsenz". Die Jahresgruppe 2, die eigentlich schon Oktober 2020 hätte abgeschlossen werden sollen, wurde erst gerade im Juli zu Ende gebracht. Was mir eine besondere Freude machte, war die Bereitschaft am Ende, doch einen "Narrensprung" zu machen und beim letzten Abschnitt auf die Bühne zu gehen, auch wenn bei der einen Gruppe "nur" acht eingeladene Gäste und bei der anderen Gruppe zwei dabei waren. Tatsächlich reichten sie, um die notwendige Atmosphäre eines Auftritts herzustellen.
Doch ist der kurzen "live"-Zeit und im Fall der zweiten Jahresgruppe nach einer langen Zwangspause (sie wollte keinen Online-Abschluss machen) war genügend Vertrauen angesammelt, dass die (vorwiegend) TeilnehmerInnen in der Lage waren, ihre Ängste in Energie umzuwandeln und sich auf das Spiel zu konzentrieren. Sie zeigten sich in ihrer Spiellust und konnten auch mit ihren eigenen Prägungen spielen, so dass das Publikum nicht nur einiges zu lachen hatte, sondern auch nachvollziehen konnten, wie die Komik zustande kam. Die Zuschauer kannten die SpielerInnen Dich und waren sehr angetan und berührt, wozu sie in dieser Zeit im Stande waren zu inszenieren. Der Auftritt ist zwar nicht das Ziel der Jahresgruppen, aber ein wichtiger Höhepunkt, der einen Narrensprung erfordert. Ich freue mich, wie dies in den allermeisten Fällen gelingt und die TeilnehmerIn selbst überrascht!
Auch eine Online-Clowngruppe, die nach dem Tod ihres Lehrers Dieter Bartels von der Schule für Tanz, Clown und Theater (TUT) im Lockdown nach Zusammenhalt und nach einer Weiterführung suchten, habe ich selbst beendet, als ich merkte, dass Urlaubspläne und die Suche nach "live"-Veranstaltungen sowie die Weiterbildung zum Klinikclown mehr Raum einahme, bevor die geplanten fünf Treffen beendet waren. Positive Rückmeldungen wie diese tun gut:
"Es hat mir sehr viel Freude bei Dir gemacht, ich habe eine Menge gelernt und mag Deinen Ansatz „Clown, Humor und das Leben an sich“. Besonders gut fand ich deinen Hinweis, immer bei sich selbst anzufangen, wirklich ins Spüren und Wahrnehmen zu kommen, ganz körperlich, emotional - raus aus den erdachten Kopfgeschichten - einfach so sein, wie es in dem Augenblick eben so ist. Das Kleine größer werden lassen und den Mut haben, sich - auch öffentlich - mit sich selbst zu beschäftigen. Das erfordert den Mut der absoluten Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Das ist toll. Ich nehme also ein ganze Menge mit ..."
Montag geht es weiter zum jährlichen Clowncamp - in diesem Jahr in Zierenberg an den Helfensteinen im Haus Lebensbogen. Dreißig TeilnehmerInnen plus drei im Team. Dabei fünf Kinder. Viel Narrenfreiheit, Lebenslust und Spiel steht uns bevor.
- Geschrieben von: David Gilmore

Eine rote Nase anzuziehen hat für mich auch die Wirkung, bewusst in die Welt des Spiels einzutreten, entweder für sich alleine oder mit anderen in einer Gruppe. Diese Welt ist die Welt, die ich als „Null“ bezeichne. Sie unterscheidet sich von der alltäglichen Welt der „Prägung“ - von der Welt, die wir angenommen haben, dass sie so ist, wie sie ist. Die spielerische Welt der „Null“ ist völlig offen und erlaubt uns, uns auf andere Weise kennen zu lernen als sonst. Die rote Nase anzuziehen, macht diese Welt praktisch erlebbar. Ich kann sie anziehen. Ich kann sie auch ausziehen. Ich wähle die rote Nase, weil sie ein Symbol ist für die Tradition des Clowns und von daher für die Heiterkeit und das Lachen steht. Sie verändert auch tatsächlich das Gesicht und das Aussehen. Die rote Nase dient also dazu, die Ebenen zu wechseln. Mit der roten Nase bin ich in der Welt des Clowns, des Spiels, der Neugierde. In der Welt des „Jetzt“.
Diese Menschen haben das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Die „Narren“ und „Närrinnen“, die „Clowns“ im eigenen Leben sind oft traurig, verärgert oder verwirrt. Sie fühlen sich nicht gesehen und nicht wertgeschätzt und beschweren sich darüber, sich oft erschöpft und überfordert zu fühlen, missverstanden, bedrückt, überfordert oder auch nicht ausgelastet. Sie beschweren sich auch über sich selbst und bezichtigen sich der Trägheit und eines schlechten Gewissens. Sich selbst oder anderen gegenüber, weil sie ihre Wünsche nicht erreichen oder die Erwartungen anderer nicht erfüllen. Solche Menschen haben im Sinne der Frage keinen wirklichen „Clowns-Vorsprung“, Sie bringen nur viel wertvolles Material mit, mit dem sie dann arbeiten können. Sie erleben ähnliche oder ganz andere Herausforderungen wie Menschen ohne diese Vor-Einstellungen und Vor-Erfahrungen. Meistens leben sie als „Esel“, ohne damit umgehen zu können und bestärken damit ihr Unglücklichsein, auch wenn sie Witze machen und dafür bewundert werden. Für sie ist es besonders wichtig, ihren freien Kern kennen zu lernen, sich ernst zu nehmen und das mitgebrachte Material als Solches zu erkennen, zu „umarmen“ und gestalten zu lernen.
Gespeichert und gespiegelt in unserer Art, uns zu bewegen, in der Haltung, in den Gewohnheiten, in der Stimme, in unserer Sprache und in unseren Gedankenmustern. Unsere besondere Art, Gefühle zu zeigen oder zu hemmen, zeigt sich ebenfalls im Körper. Wenn wir an unseren Grenzen geraten, zeigt sich das durch Erröten, Ärger, Tränen, gestische und mimische Reaktionen und durch sonstige körperliche Regungen und Symptome. Solche Reaktionen verstärkt der Narr in seinem Spiel, polarisiert sie bis sie urplötzlich ins Gegenteil kippen oder bricht sie absichtlich. Er entdeckt die Lust, die in ihnen steckt. Er ist ganz das Gefühl oder die Haltung und erforscht die Geschichte, die in jeder Haltung, in jeder Geste steckt. Den Spiegel blank zu polieren, heißt, sich durchlässig, flexibel zu machen, sich mit allen möglichen Rollen anzufreunden, gerade mit denen, die einem gegen den Strich gehen, ja sogar zuwider sind. Die ureigene Komik, der innere Clown ist gerade hier zu Hause.
Ich muss an einen Mann denken, der inzwischen viele sehr gute Entscheidungen getroffen hat und sein Leben gerade durch das Clownspiel erweitert und herausgefordert hat. Als ich ihn kennen lernte, war er erfolgreich, unabhängig und total unzufrieden mit sich. Ein wichtiger Gegensatz stellte sich im Spiel heraus: Einerseits war er diszipliniert und unerbittlich hart zu sich selbst und baute seinen erwählten Beruf als reisenden Verkäufer mit viel Einsatz und Herzblut aus, andererseits war er ein Waschlappen. Er war so nett und verständnisvoll, dass er in Beziehungen und in Freundschaften einfach nicht "nein" sagen konnte.