Überraschend wurde ich von 
- Geschrieben von: David Gilmore
Überraschend wurde ich von 
Worauf ist Humor die Antwort? Die neuerlichen Fragen eines Journalisten: Wie bist Du Clown geworden? Was ist für Dich Humor? Wie sind Sie nach Deutschland gekommen? Sie bringen mich wieder dazu, anzuerkennen, wie persönlich diese Fragen sind.
Da habe ich schon etwa 100 Seiten vom geplanten Buch: Vorläufiger Titel - „Das Ziel ist im Weg“ geschrieben und dachte: Ich hätte das Thema: Humor sehr eingehend "behandelt" und "beschrieben". Es war mir auch klar, dass ich dies mit vielen Beispielen begleite. Die Rückmeldung des Verlags traf mich doch: Was ich bisher geschrieben hätte, sei ihm dem ersten Buch zu ähnlich. Die Rückmeldung machte mir aber deutlich, eben nicht von der unmittelbaren Erfahrung weder von mir noch von meinen TeilnehmerInnen ausgegangen zu sein. Auf der einen Seite wollte ich zeigen, dass Humor und Komik seine "Regeln und Gesetzmäßigkeiten" haben. Dafür hatte ich andererseits das Grundbedürfnis, wozu wir Humor brauchen, weggelassen. Ich wollte nicht zu "persönlich" werden und Leute mit meiner "Geschichte" langweilen oder sie mit eigenen Dramen "herunterziehen".
Zwar gibt es „Gesetze der Komik“ und „Regeln der Bühne und der Improvisation“: Sie bedeuten nichts ohne das, was ein Spieler oder eine Spielerin wahrhaftig bewegt. Gerade die "Dramen" waren es, die mein Bedürfnis nach dem Spiel und dem Spielraum besonders herausforderten und mich motivierten, einen anderen Weg zu gehen. Gerade das motivierte mich, Humor nicht nur zu meinem Weg zu machen, sondern ihn als eine grundsätzliche Fähigkeit zum Freiraum und zur Lebensfreude, die in der Struktur eines jeden Menschen wieder zu finden ist. Ich sehe ihn jetzt ein wesentlicher Bestandteil unserer seelischen Gesundheit an. Was erleben wir denn als "Drama", wenn nicht ausweglose Situationen, in denen wir uns ohnmächtig, isoliert und unfair behandelt fühlen? In solchen Situationen wird oft versucht, uns gar die Bewertung der Situation aus der Hand zu nehmen: Wir sollten uns nicht darüber aufregen, sollen uns damit abfinden, sie "mit Humor nehmen". Mein Vater sagte immer: "Bringe das Boot nicht zum Kentern!" oder "Was kann man da machen?" "Nicht viel", lautete seine Antwort. So hörte sich die Grundlage seines alltäglichen Humors an.
Schön finde ich es, wenn ich solche Rückmeldungen bekomme: "Ich denke sehr gerne an unsere Seminarerfahrungen in Köln und im TuT von letztem Jahr zurück. Um ehrlich zu sein, sehne ich mich etwas nach Deiner Arbeitsmethode. Diesen professionellen Erfahrungsschatz, den Du an uns vermittelt hast und die sensiblen Einblicke in Deinen persönlichen Werdegang, die Du uns zu Teil hast werden lassen, haben mich tief beeindruckt. Die Erkenntnisse die eigenen Esel auch als Freunde zu sehen hat mich persönlich, auch im Alltag unglaublich weiter gebracht und tut es jeden Tag aufs Neue.
Was mir wichtig erschien in unserem Kurs, war für mich auch vor allem, das Ansehen [auch] der eigenen destruktiven Gefühle. Ich hatte den Eindruck, Du selbst vermittelst da hin gehend keinen verklärten oder vertuschenden oder wertenden Blick. Ich hab mich dahin gehend sehr gut angenommen gefühlt und eine Chance gesehen, künstlerisch und schöpferisch mit meiner Energie, die eben auch mal aus Frust, Wut oder Trauer besteht, umzugehen. Auch das Beobachten der GrupenteilnehmerInnen, in Bezug auf Ihre innere Konfliktenergie, hat mir sehr gut getan.
Den eigenen kleinen Impuls zu spüren, ihm Raum zu geben und durch die Vergrößerung des Impulses ein Thema sichtbar zu machen, dass mit der eigenen Persönlichkeit zusammen hängt, ist mir innerlich seid unserem Kurs stets ein innerer Motor, der mir nie langweilig wird und mir Sicherheit schenkt auf mein eigenes Spiel zu vertrauen. Die körperliche und persönliche Erkenntnis, die ich dadurch erfahren durfte, prägt mein clowning durchgehend.
Danke dafür, dass Du mit persönlicher Feinfühligkeit und intellektueller Entschlossenheit unsere Truppe damals so respektvoll und herzlich geführt hast.
Für mich, war Deine "unterstützende Pädagogik" ausschlaggebend, mich auch weiterhin auf den Weg des Clowns zu begeben."
Es waren gerade die Weggabelungen, Meilensteine, Phasen, Impulse (und auch die Träume), die bei mir Fragen aufwarfen, auf die ich Antworten suchte. Um eine Chance zu haben, diese Fragen zu beantworten, brauchte ich den seelischen Spielraum, um meine Wünsche zu erkennen (und ebenfalls zu erkennen, was ich nicht wollte). Um mein Lachen und meine Lebensfreude wieder zu finden und als zentral anzusehen, wie ich es heute tue, brauchte ich viele solche Erfahrungen, die mich im Kleinen jeweils von meinen Dramen, aus meiner Lethargie und von depressiven Stimmungen "gelöst" haben. So freue ich mich heute darüber, oft die Antwort auf die eigenen Fragen und die eigenen Dramen geworden zu sein und immer wieder zu werden. So kann mein eigener Weg dienen, andere Menschen erfolgreich zu begleiten.
Juni 2019 hat mich Silke Karl, Leiterin und Spielerin beim Theater visàvis in Pforzheim, gebeten, für ihr neues Stück: Jorinde und Joringel Regie zu führen. Oktober 2019 war dann Première. Jetzt geht es um ein neues Projekt: "Theater im Wald". Montag fangen wir mit den Proben an.
Diesmal ist die Grundlage das Märchen "Frau Holle". Dieses Märchen habe ich 1995 mit meinem Kindertheater "Picobello" inszeniert. Wir werden noch sehen, ob meine Vorlage für diese Produktion hilfreich ist. Ich hatte damals das Stück für fünf Spielerinnen inszeniert. Silke arbeitet seit längerer Zeit mit Ute Münch, einer professionellen Klarinettistin, zusammen. Auch hier müssen wir schauen, wie wir das Stück - auf die beiden abgestimmt - inszenieren. Dazu kommt, dass das Stück für draußen konzipiert werden soll, nicht zuletzt damit es auch in Zeiten der Epidemie unter Einhaltung aller Hygienebestimmungen vor Kindern aufgeführt werden kann.
Silke und Ute haben gerade den Verein: "Kultur aus der Scheune e.V." gegründet. Als gemeinnütziger Verein ist es ihnen gelungen, für die Entwicklung und Aufführung dieses Stücks in Schulen von der Baden-Württemberger Stiftung in Stuttgart gefördert zu werden. Ich war dabei, als sie die Bestätigung dafür bekamen. Sie waren beide zurecht sehr aufgeregt, froh und sehr erleichtert. Die kommenden drei Tage arbeiten wir im Hotel Teuchelwald in Freudenstadt intensiv daran. Nächste Woche genauso. Im Oktober werden wir weiter am Stück arbeiten, sodass am 15. Oktober die Première stattfinden kann. Darauf freue ich mich sehr. Ich halte Euch auf dem Laufenden.
Vom 10. - 18. Mai 2022 feiern wir die Narrenfreiheit auf Sylt beim VHS Klappoltal, der Akademie am Meer. Heisst: Kurzurlaub mit frischer Meeresbrise und direkt vom Tagungsort in die Wellen. Mehr Infos und aktuelle Bedingungen und Buchungsmöglichkeit
"Menschwerden durch Humor“, so lautet auch hier das Motto dieses Camps nah am Nordsee-Strand. Es geht darum, das Spiel des Clowns im Spiegel des Narren und die Umsetzung eigener Wünsche und die Wirkung eines offenen Raumes in der Gemeinschaft von Erwachsenen mit und ohne Kinder zu erleben. Das Clown-Camp ist eine Einladung, sich in der Kultur des Herzens, des Humors und des Spielens zu üben. Diese Sommerwoche wendet sich an Menschen mit und ohne Spielerfahrung, die sich dafür interessieren, den Clown im Alltag zu (er-)leben, Kinder und Jugendliche sind willkommen. David Gilmore und Team sorgen für zusätzliche Ideen und professionelle Kinderbetreuung.
Was bietet das Clowncamp?: Viel Zeit und Raum für die vielfältigen Aspekte von Humor und Lachen, von Narr und Clown, die Möglichkeit, Kindlich-Spielerisches nachzuholen, Gelegenheit, Gemeinschaft unter dem Vorzeichen von Humor zu erleben, sich spielerisch vor Publikum auszuprobieren bei Auftritten, beim Geschichten erzählen usw. Einfach eine anregende Auszeit mit neuen Erfahrungen unter Gleichgesinnten. Davids Video dazu sehen und bei Fragen oder zur Terminierung und Buchungsfragen ihn anrufen unter 0173 317 85 89. Hier ein Video-Vorgeschmack vom Strandgeschehen
Die Akademie am Meer auf ist eine Sylter Institution mit Geschichte, lesen wir. auf der Website. "Sie ermöglicht ihren Gästen vielfältige Lernerfahrungen und Begegnungen sowie ein weltoffenes Miteinander in einzigartiger Umgebung. Mit ihrem ganzjährigen, abwechslungsreichen Bildungs- und Kulturprogramm fördert die Akademie als Volkshochschule Klappholttal seit ihrem Gründungsjahr 1919 die Jugend- und Erwachsenenbildung und ist damit eine der ältesten Volkshochschulen Schleswig-Holsteins. Gelegen am Rand des Nordsylter Naturschutzgebiets, zwischen List und Kampen, liegt die Akademie am Meer unmittelbar hinter dem Weststrand der Insel und inmitten der einmaligen Dünenlandschaft. Die Gäste wohnen in einfachen, behaglich eingerichteten Einzel-, Doppel- oder Mehrbetthäusern, die verstreut im akademieeigenen Dünengebiet liegen. Im Zentrum des Geländes befindet sich das Haus Uthland mit dem Speisesaal, in dem gemeinsam die Mahlzeiten eingenommen werden. Die Akademie verfügt über zahlreiche multifunktional ausgestattete Seminar- und Veranstaltungsräume unterschiedlicher Größe. Sie ist eine staatlich anerkannte Einrichtung der Weiterbildung und ist offen für Gasttagungen sowie Gruppenveranstaltungen"
Aus dem Programm:
Hinweis: Diese Sommerwoche wendet sich an Menschen mit und ohne Spielerfahrung, die sich dafür interessieren, den Clown im Alltag zu (er-)leben. Kinder und Jugendliche sind willkommen. David Gilmore und Team sorgen für zusätzliche Ideen und professionelle Kinderbetreuung.
Das Bild links ist vom Straßentheater auf dem Königsplatz in Kassel. Dieses Jahr waren wir in Zierenberg im Haus Lebensbogen bei den Helfensteinen. Dort haben sich alle sehr wohl gefühlt. Nur diejenigen im Wohnwagen und im Zelt mussten ein paar Unbequemlichkeiten aushalten. Auf jeden Fall ist der Ort sehr schön und lud zum Wandern und zum Reiten ein. Auch Ballonfahrten sind in der Nähe möglich. Wir mussten nur den diesjährigen Sommer aushalten. Am Wochenende hatten wir das Glück, dass die Sonne sich länger zeigte und der Regen sich zurückhielt. Für das Straßentheater in Kassel war dann alles weitgehend perfekt. Es gab zwischendurch einen Regenguss und das war alles. Ansonsten konnten sich alle auf der Bühne des Lebens ausprobieren. Und in der Stadt der Documenta haben wir gar eine Gestaltung versucht, die von den Seilen inspiriert war, die ich aus Abstandsgründen in meine Kurse beim Zusammenspiel eingeführt habe: Der gebundene Mann! Von acht Leuten gezogen, festgehalten und geführt, war er ein wohl aktuelles, aber auch ein ansprechendes, bewegtes Bild. Ansonsten wurde der Platz mit Musik und Aktionen gefüllt, auch mit den Menschen, die ein- und ausstiegen aus den Straßenbahnen, die den Platz durchqueren, ließ es sich vortrefflich spielen.
Nächstes Jahr auf der Insel Sylt!
Nach dem Clowncamp ging es für mich weiter nach Hannover. Zum Glück konnten wir durch eine Auftrennung des Angebots „Humor und Gesundheit" 8 Menschen für ein Seminar: „Heilsamer Humor" gewinnen. In der Woche darauf war ich bei der Begegnungswoche des Förderkreises für Ganzheitsmedizin im Haus der Kirche in Bad Herrenalb. Auch hier ging es um die Suche nach dem heilsamen Element im Humor. Hier fühle ich mich auch deshalb zu Hause, weil ich schon jahrelang mit dem Konzept von Dr. Walther Lechler verbunden bin, der die bekannte Klinik Bad Herrenalb führte und im Anschluss den Förderkreis gründete.
Sonntag kam ich noch vom Spielertraining in Luzern und führe jetzt die zweite Jahresgruppe im Kurhaus in Freudenstadt fort. Es war schön, wieder in der Schweiz zu sein, Altbekannte zu treffen und mit ihnen einen Spielraum für das Clownspiel zu schaffen. Ich habe mich gefreut, dass dies abermals möglich war und ich hoffe weiterhin, dass Präsenzseminare – unter welchen Bedingungen auch immer, möglich bleiben.
Humor zeigt sich eben auch im Weitermachen, Spielräume aufmachen, Kontakte und Beziehungen pflegen. Besonders geht es darum, den eigenen inneren Spielraum zu pflegen. Ich erlebe immer wieder, dass Kursteilnehmer und Kursteilnehmerinnen berichten, wie ein vertrauensvoller, annehmender Spielraum schon viel hilft, sich nur zu trauen, im geschützten Raum zu spielen. Sie finden auch eigene Wege, die dort erlebte Leichtigkeit und den erfahrenen Spielwitz aus dem eigenen persönlichen Material in ihren Alltag zu integrieren. Das habe ich gerade in diesem Monat mehrfach gehört und das freut mich außerordentlich, weil dies genau mein Wunsch ist.
Herzliche Grüße für einen humorvollen Alltag,
David Gilmore
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