Humor haben wir alle – es fragt sich nur, was für einen? Gerade in einem Bericht über den Rücktritt von Boris Johnson als Premier Minister GB im Fernsehen hörte sich das vernichtende Urteil dabei gleichzeitig fast wie eine Anerkennung seiner Fähigkeit an, Humor und Unterhaltung in die Politik hineinzubringen.
So zweideutig wirkt er noch immer. Zu seinen Fähigkeiten zählen: Die Neigung dazu, zu tun als würde er das eine denken, obwohl er dies nicht tut; Als wäre er vergesslich, obwohl er ganz genau Bescheid weiß; Als würde ihm wirklich etwas leid tun, obwohl er nur „sorry“ sagt; Als wäre ihm die Macht egal und ihm Menschen sehr wichtig, obwohl…. Das finden viele witzig und gleichzeitig gekonnt.
Er blieb bis zu seiner „Abdankung“ unterhaltsam und übernahm weiterhin keine Verantwortung, weder für das, was er im Amt tat noch behauptete – jedenfalls nicht wirklich. Gar hat er noch eine Art „Dolchstoßlegende“ zum Schluss verbreitet. Unterhaltung dient hier als Nebelkerze bzw. als Finte. Er vermag es, sich ganz öffentlich zu verstecken. „Bewundernswert“ meinen nicht wenige.
Seine Fans wird er noch behalten, Bücher schreiben (1 Million Pfund wird noch kolportiert) und im Fernsehen auftreten, obwohl er meiner Meinung nach nur Unheil angerichtet hat. Damit sind wohl offensichtlich viele einverstanden, wenn nicht immer mit den Folgen. Viele werden bedauern, dass er nun gehen muss. Ich nicht.
Für mich repräsentiert er die antiautoritäre, und zur gleichen Zeit selbstgefällige und herrische Haltung der Oberschicht in England: Unterhaltsam schaffen sie ihre eigenen Regeln. Da hört bei mir der Spaß auf. Nicht nur deshalb, aber auch darum, bin ich nach Deutschland gekommen: Um meinen Humor zu finden! (Wie bitte?) Und tatsächlich habe ich hier sowohl den Freiraum als auch die Chancen gefunden, die ich dafür brauchte (auch wenn viele sich wundern und lachen, wenn sie das hören).
Gerade das Beispiel Boris Johnson macht es mir deutlich, welche unterschiedliche Auswirkungen und Intentionen Humor bedienen kann. Humor hat immer die Wirkung, Freiräume zu schaffen, nur welche, für wen und zu welchem Zweck ist nirgends festgelegt.
Was meiner Meinung nach bei Boris fehlt, ist eine ehrliche Beziehung zu sich, unabhängig davon, wie andere ihn finden. Er hat ein sicheres Gespür für die Macht und braucht gerade von diesem Publikum den Applaus. Dann ist ihm egal, was andere von ihm halten. Das gibt ihm seinen den von ihm erstrebten Freiraum. Er findet sich völlig in Ordnung so.
Die humorvollen Freiräume, die ich schaffen will, basieren hoffentlich auf gegenseitigem Respekt und auf einer Offenheit, in der sich jede und jeder frei ist, die Beziehung zu sich aufzunehmen und als befreiendes Element zu erleben. Sie sollen auch einen ehrlichen Blick auf sich ermöglichen, sowohl was die eigene Kreativität betrifft, als auch auf die eigenen „Eseleien“.
Die bewusste Beziehung zur Sprache des eigenen Körpers, zum emotionalen Selbst, zum Verstand, zu den eigenen Motiven und schließlich zum eigenen Leben hilft, Muster und Einstellungen zu erkennen, die uns von uns und von anderen trennen. Wenn wir gerade durch das Clownspiel und aus der närrischen Haltung einer „Null“ heraus mit ihnen umgehen lernen, schaffen wir eher einen Humor, der löst, befreit und unsere Zuversicht und Selbstvertrauen auf eine ganz andere Basis stellt, uns menschlich verbindet und einen guten Weg zeigt.
- Geschrieben von: David Gilmore

Wenn ich einfach beobachte und darüber sinniere, in welchen Zusammenhängen Menschen lachen, komme ich immer wieder darauf, dass die Voraussetzung dafür eine Art "Wohlfühlraum" ist. Am sichtbarsten ist dies, wenn wir Menschen beobachten, die einfach zusammensitzen. Sobald sie Kontakt aufgenommen haben und feststellen, das sie sich miteinander warm werden, fangen sie an, miteinander zu lachen. Es macht nichts, wenn die Begegnung bei einem ersten Blickkontakt und einer anscheinend belanglosen Bemerkung bleibt. Viel deutlicher ist dies, wenn man erlebt, wie offensichtliche Freunde miteinander umgehen. Es vergeht kaum Zeit und schon lachen sie miteinander. Sie müssen dafür kein Training und keine Seminare belegt haben. Es scheint "von alleine" zu geschehen.
Freudenstadt (epd). Nach Ansicht von Clown David Gilmore aus Loßburg (Landkreis Freudenstadt) ist jeder Mensch von Natur aus „lebensfroh“, weil er ja lebt. Zwar gebe es zu Beginn eines jeden Jahres Gründe, den Humor zu verlieren, sagte Gilmore im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Doch eines ist tröstlich: Wenn einem das Lachen vergehen kann, dann muss es zuvor dagewesen sein.“ Wichtig sei, sich nicht auf das Negative zu fokussieren, sondern zu schauen, wo es Spielräume gebe, „damit wir uns lebendig fühlen und die Freude nicht verloren geht.“ Eine gute Beziehung zu sich selbst zu haben, findet Clown Gilmore wichtiger, als Vorsätze für das neue Jahr zu fassen. Denn wer mit sich selbst zufrieden sei, habe auch bessere Voraussetzungen für gute Beziehungen zu anderen. „Wenn man sich wie ein Clown selbst umarmt, kann man auch andere umarmen und sein Lachen und Lächeln an andere weitergeben.“
Ich musste heute früh daran denken, was uns auffällt, wenn wir uns in einer neuen Umgebung befinden, zum Beispiel in einer fremden Stadt. Es sind zunächst einmal die Gebäude, aber auch die Straßenführung, die Straßenmarkierungen und Straßenschilder, die uns auffallen. Es ist auch die Sprache, die Kleidung und eventuell die Gerüche natürlich, aber zunächst einmal fallen insbesondere die Formen auf, die meistens anders sind als das, was wir gewohnt sind. Schon einmal wie die Ampeln in der Schweiz sehr oft oben über der Straße scheben, wenn man gewohnt ist, sie an einer Stange zu sehen oder die Übergänge in England oder in Frankreich markiert sind. Für Engländer kommen sie ziemlich "nackt" vor. Es fehlen die "Belisha beacons" (Stangen mit blinkenden gelben Lampen darauf). Die Farben der Autobahn- und Landstrassenschilder sind in den verschiedenen Ländern anders. DDR-Bürger freuten sich, als in manchen westdeutschen Städten die ihnen bekannten Männeken auf Übergänge angebracht wurden oder die Berechtigung, rechts abzubiegen, selbst bei rot, wenn die Straße frei ist. Es ist vielleicht nicht weltbewegend, aber im ersten Augenblick fallen uns solche Dinge auf. Das kann auf uns anregend und neu wirken und doch haben sie viel damit zu tun, inwieweit wir uns überall zuhause fühlen oder auch nicht. Für manche Leute wirken solche Unterschiede eher befremdlich. Nach einer Zeit sind das gerade die Details, an die man sich in dem neuen Land gewöhnt und daher kein Aufhebens mehr darum macht. Manchen freuen sich dennoch gerade, wenn sie wieder zu Hause sind und ihnen alles wieder bekannt ist. Dann erst entspannen sie sich wieder und merken, wie anstrengend es für sie ist, sich an Anderes zu gewöhnen.
Beispiele bei dieser Fortbildung: Es kann sich um MitarbeiterInnen handeln, die von den sinnvollen und wertvollen Veränderungen der Abteilungsleiterin nichts halten. Sie wollen partout nicht zu den auch für sie gedachten Angeboten kommen, gerade weil es die Leitung ist, die die Angebote für so sinn- und wertvoll hält. Ein anderer Teilnehmer realisiert, dass er sich allzu gerne selbst zum „Esel“ machen lässt. Er reagiere gerne auf den Widerstand „seiner“ widersträubenden Jugendlichen emotional, anstatt die Regeln des gestatteten Freiraums den widerspenstigen Jugendlichen als Vorbild klar zu machen. Eine Teilnehmerin merkt, dass sie sehr gerne ihrer Familie den Entscheidungsraum nimmt, weil sie selbst schnell zu „Ergebnissen“ kommen will. Sie sah ein, dass dies auch ein „Esel“ sein könnte, der den anderen keinen Raum lässt und gar seinerseits einen Widerstand erzeugt.